Hormone beeinflussen weit mehr als nur den Menstruationszyklus – sie steuern unsere Stimmung, Wahrnehmung und sogar unsere Attraktivität. „Ich kann dich gut riechen“ ist also nicht nur ein bekanntes Sprichwort. Oft kommt es vor, dass wir uns von bestimmten Menschen besonders angezogen fühlen, während der Körpergeruch anderer uns eher neutral oder sogar unangenehm erscheint. Diese Reaktionen sind oft durch unsere Hormone gesteuert. Studien der Universität Bern zeigen, dass Sexualhormone wie Östrogen und Progesteron unsere Wahrnehmung von Körpergerüchen beeinflussen und so eine wichtige Rolle bei der zwischenmenschlichen Anziehung spielen. Doch wie genau funktioniert das? Der folgende Artikel zeigt, was Hormone eigentlich sind, wie sie den weiblichen Körper beeinflussen und welche Auswirkungen sie auf unser tägliches Leben haben können.
Was sind Hormone?
Hormone sind chemische Botenstoffe, die eine Vielzahl an Prozessen im Körper, wie beispielsweise das Wachstum oder den Stoffwechsel steuern. Sie werden in speziellen Hormondrüsen produziert und über das Blut an ihre Zielzellen transportiert. Zu den wichtigsten Hormondrüsen im Körper gehören laut Stiftung Gesundheitswissen:
- Keimdrüsen (Hoden und Eierstöcke)
- Schilddrüse
- Bauchspeicheldrüse
- Hypophyse und Hypothalamus im Gehirn
Wie funktioniert die Steuerung durch Hormone? Hormone wirken laut Stiftung Gesundheitswissen nach dem „Schlüssel-Schloss-Prinzip“: Nachdem die Hormondrüsen ihre Botenstoffe in die Blutbahn abgegeben haben, docken sie gezielt an bestimmten Zellrezeptoren an und übermitteln spezifische Signale. Beispielsweise produzieren die Eierstöcke das Hormon Östrogen. Sobald das Östrogen in die Blutbahn abgegeben wird, gelangt es zu seiner Zielzelle, der Gebärmutterschleimhaut. Dort bindet es sich an spezielle Rezeptoren und löst eine Reaktion aus: Die Schleimhaut verdickt und bereitet sich auf eine mögliche Schwangerschaft vor.
Die wichtigsten Hormone und ihre Aufgaben im Körper
Hormone sind elementar für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Jedes Hormon übernimmt dabei eine eigene Funktion im Körper, steht jedoch gleichzeitig in Wechselwirkung mit anderen. Laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, kurz IQWiG, können die Körperfunktionen nur dann optimal reguliert werden, wenn die Hormone im Gleichgewicht zueinander stehen und ihre Effekte ideal aufeinander abgestimmt sind.
Das Hormonsystem beeinflusst eine Vielzahl von Prozessen in unserem Körper. Einige der wichtigsten sind laut IQWiG:
- Fruchtbarkeit
- Zuckerstoffwechsel
- Energie-Haushalt
- Wasser- und Salzhaushalt
- Wachstum
- Entwicklung und Fortpflanzung
- Knochen-Stoffwechsel
- Stimmung und Verhalten
- Reaktion auf Stress und Gefahren sowie die Schmerzempfindung
Fruchtbarkeit
- Hormone: Östrogen, Progesteron, Testosteron, LH, FSH
- Funktion: FSH und LH sind sozusagen die Taktgeber der Fruchtbarkeit. FSH (Follikel stimulierendes Hormon) sorgt dafür, dass in den Eierstöcken Eizellen heranreifen, während LH (Luteinisierendes Hormon) den entscheidenden Moment einleitet: den Eisprung. Ohne dieses fein abgestimmte Zusammenspiel wäre ein regelmäßiger Zyklus und damit eine mögliche Schwangerschaft kaum denkbar. Östrogen und Progesteron sind die beiden primären weiblichen Geschlechtshormone. Östrogen sorgt nicht nur dafür, dass sich die Gebärmutterschleimhaut jeden Monat auf eine mögliche Einnistung vorbereitet, sondern beeinflusst auch Haut, Haare und Knochenstärke. Nach dem Eisprung übernimmt Progesteron die Führung: Es stabilisiert die Gebärmutterschleimhaut und schafft die perfekten Bedingungen für eine Schwangerschaft. Bleibt die Befruchtung aus, sinkt der Progesteronspiegel – und die Periode setzt ein. Auch Testosteron, das hauptsächlich als männliches Hormon bekannt ist, ist in geringen Mengen im weiblichen Körper zu finden. Es trägt zur Libido, zum Muskelaufbau und zur allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit bei.
Zuckerstoffwechsel
- Hormone: Insulin, Glukagon
- Funktion: Der Zuckerstoffwechsel wird maßgeblich von Insulin und Glukagon gesteuert. Insulin sorgt dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Körperzellen gelangt, wo sie zur Energiegewinnung genutzt wird. Gleichzeitig wird der Blutzuckerspiegel gesenkt. Glukagon hingegen hat eine gegenteilige Wirkung: Es fördert die Freisetzung von Glukose aus der Leber. Dieses Zusammenspiel sorgt laut IQWiG dafür, dass der Körper stets genügend Energie zur Verfügung hat.
Energie-Haushalt
- Hormone: Leptin, Ghrelin, Insulin
- Funktion: Der Energiehaushalt wird durch Hormone wie Leptin und Ghrelin reguliert. Leptin wird von Fettzellen produziert und signalisiert dem Gehirn, dass der Körper genug Energie hat, wodurch das Hungergefühl reduziert wird. Ghrelin hingegen ist das „Hungerhormon“, das die Nahrungsaufnahme anregt, wenn der Körper Energie benötigt. Diese beiden Hormone arbeiten zusammen, um den Energiehaushalt des Körpers in Balance zu halten.
Wasser- und Salzhaushalt
- Hormone: Aldosteron, antidiuretisches Hormon
- Funktion: Aldosteron sorgt dafür, dass Natrium und Wasser in den Nieren zurückgehalten werden, wodurch das Blutvolumen und der Blutdruck steigen. ADH wirkt ebenfalls auf die Nieren, indem es die Wasserrückresorption fördert, was den Körper vor Dehydrierung schützt. Diese Hormone sind entscheidend für die Aufrechterhaltung des Flüssigkeits- und Salzhaushalts im Körper.
Wachstum
- Hormon: Wachstumshormon (Somatotropin)
- Funktion: Das Wachstum des Körpers wird vom Wachstumshormon (Somatotropin) gesteuert, das von der Hirnanhangdrüse ausgeschüttet wird. Indem es die Zellteilung und den Stoffwechsel anregt, wird das Wachstum von Knochen und Muskeln gefördert. Zudem hat es Einfluss auf die Umwandlung von Nahrungsmitteln in Energie und die Aufrechterhaltung einer gesunden Körperzusammensetzung.
Knochen-Stoffwechsel
- Hormone: Parathormon, Calzitonin, Vitamin D, Östrogen
- Funktion: Parathormon und Calcitonin sind beim Knochen-Stoffwechsel die Gegenspieler: Parathormon steigert den Abbau von Knochengewebe und setzt dabei Kalzium frei, um den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren. Während Calcitonin den Kalziumgehalt im Blut senkt und so den Knochenaufbau fördert. Besonders bei Frauen nach der Menopause, wenn der Östrogenspiegel sinkt, kann es laut dem Ärztezentrum Menopause zu einer verstärkten Osteoporose und Knochenabbau kommen.
Stimmung und Verhalten
- Hormone: Serotonin, Dopamin, Oxytocin, Östrogen, Cortisol, Progesteron
- Funktion: Diese Hormone spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulierung unserer Stimmung und unseres Verhaltens. Serotonin wird, laut des Blogs der Friedenweiler Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, oft als das „Glückshormon“ bezeichnet, da es das allgemeine Wohlbefinden fördert und eine stimmungsaufhellende Wirkung hat. Oxytocin, auch als „Bindungshormon“ bekannt, fördert soziale Bindungen und spielt eine zentrale Rolle in der Mutter-Kind-Beziehung. Östrogen hat nicht nur eine direkte Wirkung auf die Fruchtbarkeit, sondern beeinflusst auch die Stimmung. Es fördert die Ausschüttung von Serotonin und hat dadurch eine stimmungsaufhellende Wirkung. Progesteron wirkt beruhigend und hat oft eine entspannende Wirkung auf den Körper, kann in höheren Mengen jedoch auch mit Müdigkeit und einer gewissen Trägheit verbunden sein. Doch das ist noch längst nicht alles: Neurobiologische Studien, wie die der Universität Salzburg, untersuchen, wie weibliche Geschlechtshormone, insbesondere Progesteron, mit der Hirnaktivität und Aufmerksamkeit zusammenhängen. Diese Untersuchungen ergaben, dass ein hoher Progesteronspiegel nicht nur das allgemeine Wohlbefinden unterstützt, sondern auch die kognitive Leistungsfähigkeit und die Aufmerksamkeit steigern kann. Außerdem haben Sexualhormone wie Östrogen und Progesteron laut einer Studie der Universität Bern nicht nur Einfluss auf die Fruchtbarkeit, sondern auch auf die Wahrnehmung und Anziehungskraft. Dabei wurden Frauen mit hohen Östrogen- und niedrigen Progesteronwerten als besonders anziehend für Männer wahrgenommen. Diese komplexen hormonellen Wechselwirkungen tragen somit maßgeblich zu unserer Stimmung, unserem Verhalten und unserer sozialen Wahrnehmung bei.
Reaktion auf Stress und Gefahren sowie die Schmerzempfindung
- Hormone: Adrenalin, Cortisol, Endorphine
- Funktion: Im Stressfall werden laut Stiftung Gesundheitswissen die Hormone Adrenalin und Cortisol freigesetzt, die eine sofortige Reaktion des Körpers auf Gefahr oder Belastung ermöglichen. Adrenalin erhöht die Herzfrequenz und den Blutdruck, während Cortisol die Energiebereitstellung anregt, indem es den Zuckerstoffwechsel steigert. Diese hormonellen Reaktionen bereiten den Körper auf eine „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion vor.
Wie kann der Hormonhaushalt beeinflusst werden?
Der Hormonhaushalt spielt eine zentrale Rolle für das reibungslose Funktionieren des Körpers und das persönliche Wohlbefinden. Hormone wirken wie präzise abgestimmte Botenstoffe, die zahlreiche Prozesse im Körper steuern – von der Fruchtbarkeit bis hin zur Stimmung. Laut dem IQWiG ist dieses empfindliche Gleichgewicht der Hormone von entscheidender Bedeutung, da schon kleine Schwankungen weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit haben können. Doch welche Faktoren haben tatsächlich Einfluss auf das hormonelle Gleichgewicht? Laut AOK kann der Hormonhaushalt durch folgende Aspekte positiv beeinflusst werden:
- Mediterrane und vegetarische Ernährung
- Stressreduktion
- Ausreichend Schlaf
- Regelmäßige Bewegung
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