Startseite
Icon Pfeil nach unten
Frauengesundheit und Schwangerschaft
Icon Pfeil nach unten

Wie sinnvoll sind bioidentische Hormone wirklich?

Frauengesundheit

Wie sinnvoll sind bioidentische Hormone wirklich?

    • |
    • |
    • |
    Bioidentische Hormone können typische Wechseljahresbeschwerden, wie Hitzewallungen, verbessern. Doch wie risikoreich ist die Therapie?
    Bioidentische Hormone können typische Wechseljahresbeschwerden, wie Hitzewallungen, verbessern. Doch wie risikoreich ist die Therapie? Foto: Monkey Business, stock.adobe.com (Symbolbild)

    Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen oder Schlafstörungen können das tägliche Leben stark beeinträchtigen. In solchen Fällen können bioidentische Hormone helfen, die Symptome zu lindern. Doch können bei einer Therapie auch einige Risiken einhergehen. Der folgende Artikel zeigt, was bioidentische Hormone genau sind, wie sie wirken und welche Nebenwirkungen bei einer Behandlung auftreten können.

    Was sind bioidentische Hormone? 

    Unser Körper verfügt über zahlreiche Hormondrüsen, die Hormone ausschütten und damit unterschiedliche Prozesse steuern. So werden laut der Frauenärztin Dr. Sabine Burmester beispielsweise Progesteron und Östrogen von den Eierstöcken produziert und spielen eine zentrale Rolle im weiblichen Zyklus. Oder Cortisol, auch genannt Stresshormon, das in der Nebennierenrinde gebildet wird und besonders in Stresssituationen dem Körper die nötige Energie zur Verfügung stellt.

    Doch was passiert, wenn der Körper nicht mehr genügend eigene Hormone produziert? Besonders in den Wechseljahren nimmt laut Dr. Burmester die Hormonproduktion ab, was zu einem Ungleichgewicht im Hormonhaushalt führen kann. Genau hier kommen bioidentische Hormone ins Spiel: Diese Hormone sind keine körpereigenen Hormone, sondern werden gezielt zugeführt. Laut Prof. Dr. Kai J. Bühling, Facharzt für Gynäkologie, können sie beispielsweise aus der Yams-Wurzel gewonnen werden. Diese enthält den Wirkstoff Diosgenin, der durch verschiedene chemische Prozesse in die Hormone Cortison und Progesteron umgewandelt werden kann. Das synthetische Progesteron ist dabei in seiner Struktur identisch mit dem körpereigenen Progesteron und kann daher dieselben Wirkungen im Körper entfalten.

    Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

    Bioidentische Hormone können auf unterschiedliche Weise verabreicht werden, abhängig von den individuellen Bedürfnissen und der jeweiligen Indikation. Laut Dr. Fiorella de Nitto, Fachärztin für Gefäßchirurgie, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Die Wirkung der Präparate kann dabei erst nach Wochen bis wenigen Monaten einsetzen.

    • Orale Einnahme in Form von Kapseln
    • Rektale oder vaginale Anwendung mithilfe von Cremes, Gels oder Zäpfchen

    Da die optimale Dosierung individuell unterschiedlich ist, sollte eine Behandlung laut Dr. de Nitto in Absprache mit einer Fachärztin oder einem Facharzt erfolgen. Die Kosten für bioidentische Hormonpräparate, sei es in Form von Kapseln, Cremes oder Zäpfchen, müssen in der Regel von den Patientinnen und Patienten selbst getragen werden.

    Sinn oder Unsinn – Helfen bioidentische Hormone wirklich?

    Bioidentische Hormone können für den Körper verschiedene Vorteile haben, insbesondere dann, wenn die körpereigene Hormonproduktion sinkt.

    • Positiver Nutzen für Frauen: Besonders in den Wechseljahren, wenn die Hormonproduktion nachlässt, kann eine Therapie mit synthetisch hergestellten Hormonen laut Frauenärztin Dr. Barbara Welter sinnvoll sein. So können typische Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, vermehrtes Schwitzen, Stimmungsschwankungen sowie hormonbedingte Erkrankungen wie Osteoporose oder Arthrose durch eine gezielte Hormonersatztherapie gelindert werden.
    • Positiver Nutzen für Männer: Auch Männer können laut dem ärztlichen Direktor der Fachklinik für Innere Medizin, Onkologie und Immunologie Dr. Douwes von bioidentischen Hormonen profitieren. In den sogenannten männlichen Wechseljahren, auch Andropause genannt, sinkt der Testosteronspiegel und es kann zu erhöhter Müdigkeit, Gewichtszunahme und Erektionsstörungen kommen. Eine gezielte Hormonersatztherapie kann nicht nur die Energie und den Sexualtrieb steigern, sondern auch das Körpergewicht regulieren. Zudem können laut Dr. Douwes die Konzentrations- und Gedächtnisleistung verbessert werden.

    Doch sind bioidentische Hormone wirklich so gut?

    Bioidentische Hormone können viele Vorteile bieten, sind jedoch nicht frei von Risiken und Nebenwirkungen. Ein entscheidender Aspekt ist laut der Frauenärztin Dr. Sabine Burmester ihr Abbau im Körper. Normalerweise baut die Leber körpereigene Hormone effizient ab. Bei synthetischen Varianten kann es jedoch zu Wechselwirkungen mit Enzymen und Stoffwechselvorgängen kommen. Dadurch verharren die bioidentischen Hormone länger im Körper und die Leber wird zusätzlich belastet. Folglich können laut Dr. Burmester folgende Nebenwirkungen auftreten:

    1. Erhöhtes Brustkrebsrisiko
    2. Höheres Risiko für Thrombose und Lungenembolien
    3. Herzinfarktgefahr
    4. Gallensteine und Entzündungen der Gallenblase
    5. Fettstoffwechselstörungen und damit einhergehende Gewichtszunahme
    6. Erhöhtes Diabetesrisiko
    7. Osteoporose
    8. Demenz
    9. Vitamin- und Hormonmängel

    Synthetisch hergestellte Hormone haben also nicht nur positive Effekte auf den Körper und seine Funktionen, sondern können auch mit erheblichen Risiken verbunden sein. Die Meinungen zu den möglichen Nebenwirkungen sind jedoch stark umstritten: So betont Dr. Barbara Welter, dass das Krebsrisiko durch bioidentische Hormone nicht zwangsläufig steigt. Eine korrekte Anwendung, wie zum Beispiel bioidentisches Östrogen in Form von Cremes und bioidentisches Progesteron in Kapselform, kann laut Dr. Welter das Risiko für Brustkrebs, Lungenkrebs und Thrombosen verringern. Dennoch bleibt das Krebsrisiko nicht völlig ausgeschlossen, auch wenn es im Vergleich zu hoch dosierten Hormonersatztherapien deutlich niedriger ist.

    Diskutieren Sie mit
    0 Kommentare

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Registrieren sie sich

    Sie haben ein Konto? Hier anmelden