Bluthochdruck gilt mittlerweile als Volkskrankheit und kann Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen. Die Blutdruckkontrolle ist daher wichtig und muss regelmäßig erfolgen. Dabei klingt es fast zu einfach: Messungen lassen sich inzwischen auch über das Handy durchführen.
So funktioniert die Blutdruckmessung
Die meisten von uns kennen die herkömmliche Blutdruckmessung, wie sie in Arztpraxen durchgeführt und auf DocCheck erklärt wird. Gemessen wird hier der Blutstrom in der Hauptschlagader des Oberarms (medizinisch: Arteria brachialis) mithilfe einer Kompression durch eine aufgepumpte Manschette. Diese unterbricht den Blutfluss, bis keine Strömungsgeräusche mehr hörbar sind (Druck der Manschette ist größer als der systolische Blutdruck). Danach öffnet der Arzt das Ventil und lässt Luft aus der Manschette ab. Ist nun der Manschettendruck genauso groß wie der systolische Druck, kann das Blut durch die Arterie strömen. Solange der diastolische Druck niedriger als der Manschettendruck ist, fließt das Blut nicht kontinuierlich. Dieser Wechsel aus strömendem und nicht strömendem Blut wird als Systole und Diastole bezeichnet. Dabei entstehen sogenannte Korotkoff-Geräusche, wie die Universität Münster erklärt. Das folgende Video verdeutlicht die konventionelle Methode des Blutdruckmessens:
Wer nun den Blutdruck messen und dabei das Handy nutzen möchte, braucht eine spezielle App und natürlich das Smartphone. Die Vorgehensweise ist dabei immer ähnlich: Der rechte Zeigefinger soll auf die Linse des Mobilfunkgerätes gelegt werden, das Smartphone selbst wird mit seinem Mikrofon auf der linken Seite der Brust platziert. So sollen Blutstrom und Herzschlag erkannt werden.
Wie Springer Nature Ltd. berichtet, arbeiten Forscher der University of California in San Diego daran, einen speziellen Aufsatz für das Smartphone weiterzuentwickeln. Dieser soll auf Handykamera und Blitzlicht gesteckt werden. Um den Blutdruck per Handy zu messen, legt der Anwender einen Finger auf den Aufsatz. Eine zugehörige App sagt nun, ob der Nutzer fester drücken oder den Finger lockerer auflegen soll. Das im Aufsatz integrierte Blitzlicht beleuchtet den Finger, die Kamera fängt die Informationen ein. Nun berechnet die App den Blutdruck. Laut Deutschlandfunk Nova liegen die Herstellungskosten für diese Technologie im Centbereich, die Datengrundlage zur Präzision der Messungen ist wegen zu geringer Testauswertungen jedoch noch dürftig.
Blutdruck messen per Smartphone: Das muss eine gute App können
Mittlerweile gibt es viele verschiedene Anbieter für Apps, mit denen sich der Blutdruck über das Handy messen lässt. Bei der Auswahl dieser kleinen Programme sollten Anwender auf folgende Details achten:
- Ist eine Tagebuchfunktion enthalten, um den Verlauf der Messungen zu dokumentieren?
- Werden Daten auch grafisch dargestellt?
- Sind alle Einträge und gespeicherten Daten zusätzlich offline zugänglich?
- Besteht die Möglichkeit, die Daten zu teilen (z. B. mit dem behandelnden Arzt)?
- Gibt es eine Erinnerungsfunktion, um die Messungen regelmäßig durchzuführen?
Mit diesen Apps lässt sich der Blutdruck über das Smartphone messen
Die Seite handykauf.com nennt nicht nur die oben erwähnten Kriterien zur Auswahl der Blutdruckmessungs-Apps, sondern auch verschiedene App-Beispiele wie:
- Herzfrequenzmesser
- Instant Heart Rate App
- SmartBP
- Cardi.Health
Wichtig: Diese Apps messen den Blutdruck nicht direkt, sondern sind für die Auswertung von Messdaten gedacht. Sie verbinden sich entweder per Bluetooth mit einem separat anzuwendenden Blutdruckmessgerät oder erfordern die manuelle Eingabe der Messwerte. Anders ist es mit OptiBP, der App von Biospectal, über die das Unternehmen in einer Pressemitteilung selbst berichtet. Anwender können den Blutdruck über das Handy messen und nutzen dafür nur einen Fingerabdruck. Über 15 Jahre Forschung und Entwicklung stecken in der App, die angeblich den Anforderungen an Medizinprodukte genügt. Die Technologie dahinter ist leicht erklärt: Die Handykamera erfasst den Blutfluss unter der Haut und wandelt diesen in Algorithmen und analysierbare Signale um. Daraus soll der Blutdruck berechnet werden.
Wie zuverlässig sind Apps zum Blutdruckmessen?
Im Jahr 2016 untersuchten Wissenschaftler der John Hopkins University School of Medicine eine Blutdruckmess-App. Sie stellten fest, dass diese Anwendung sehr unzuverlässig war: Bei 77,5 Prozent der Patienten, die unter bekanntem Bluthochdruck litten, wurden zu niedrige Messwerte festgestellt. Die Abweichungen lagen durchschnittlich bei mehr als 12 mmHG systolisch und über 10 mmHG diastolisch.
Seit der Studie aus 2016 sind einige Jahre vergangen, Forschung und Entwicklung sind vorangeschritten, Apps wurden präzisiert. Doch auch die Hochdruckliga ist der Meinung, dass das Smartphone-Monitoring überbewertet sei und eine 24-Stunden-Blutdruckmessung nicht ersetzen könne. Bei entsprechenden Untersuchungen wurde beispielsweise ein durchschnittlicher Blutdruck von 126/73 mmHG in der 24-Stunden-Messung festgestellt. Die App-assistierte Kontrolle zu Hause ergab jedoch Durchschnittswerte von 141/82 mmHG, der Blutdruck wurde damit als zu hoch eingestuft. Dies ist bei Behandlungsempfehlungen zu berücksichtigen. Die konventionelle 24-Stunden-Messung gilt immer noch als Goldstandard, eine regelmäßige Heimmessung per App kann jedoch Schwankungen in den Tageswerten aufzeigen und darf ergänzend Anwendung finden.
Übrigens: Besteht der Verdacht auf Bluthochdruck, sollte der erste Weg zum Arzt führen. Selbstdiagnosen per App sind nicht zu empfehlen! Der Arzt wird einen individuellen Behandlungsplan bei bestätigtem Bluthochdruck festlegen. Zudem ist Eigeninitiative gefragt: Patienten sollten versuchen, ihren Blutdruck über eine gesunde Lebensweise und eine ausgewogene Ernährung zu regulieren.
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